„Bringen Sie keine sexuellen Perversionen nach Krakau!“

Heute wird es mittlerweile zum 5. Mal in Folge in Kraków einen Marsz Tolerancji (Toleranzmarsch) geben. Im Rahmen des Festivals Queerowy Maj (queerer Mai), das vom 15. – 17. Mai stattfindet, soll mit diesem Gang durch die Straßen der Innenstadt auf die weitverbreitete Homophobie der Gesellschaft aufmerksam gemacht und für eine Gleichstellung von unkonventionellen Lebensformen und homosexuellen Partner_innenschaften demonstriert werden. Dabei zeigt sich wie bei keinem anderen Event in Polen der Konflikt zwischen fanatischem Katholizismus und propagierter Nächstenliebe. Bereits im Vorfeld kündigen großflächig verklebte Plakate, deren Inhalt an Lächerlichkeit nicht spart, Gegenproteste an:

sexuelleperversionen

Bringen Sie keine sexuellen Perversionen nach Krakau!

Genug der homesexuellen Exzesse in Kraków:
- der Versuche die Kathedralen des Wawel zu entweihen (Oktober 2008)
- des Bewerbens von Homosexualität unter dem Papst-Fenster (April 2007)
- des mit Füßen Tretens des Grabes eines unbekannten Soldaten (April 2006)
- des Verteilens von homosexueller Pornografie inmitten von Kindern ( das Magistrat von Kraków – November 2005)
- der alljährlichen unmoralischen Paraden

ACHTUNG!
HOMOSEXUELLE AKTIVISTEN WOLLEN WIEDER DURCH DIE STRAßEN VON KRAKÒW ZIEHEN

Piotr-Skarga-Gesellschaft für christliche Kultur

Für die Piotr-Skarga-Gesellschaft, die auch schon im letzten Jahr mit ähnlichen Plakaten vor Homosexuellen warnte, findet Raumvermessung in diesem Beitrag folgende Worte:

Dass hier die Bevölkerung vor einem Aufmarsch Homosexueller und ihrer Sympathisanten gewarnt wird, welcher nicht nur den religiösen, sondern auch den nationalen Stolz verletzt, ist natürlich schlimm und idiotisch genug. Aber ebenso beunruhigend habe ich es empfunden, dass ich mich von diesem Plakat nicht sonderlich überrascht gezeigt habe. […]

[…] die Homepage des Vereins strotzt vor religiösem und nationalem Pathos, ihr missionarischer Eifer drückt sich nicht nur in Kreuzzug-Symbolik aus. In einem Artikel der Internetzeitung gazeta.pl wurde im Jahr 2005 zu diesem Verein recherchiert und er berichtet nicht nur von geheimnisvoller Desinformation, sondern auch von der Nähe einiger beteiligter Personen zu den auch im Ausland bekannten Institutionen „Liga Polnischer Familien“ („Liga Polskich Rodzin“), dem dieser Partei nahe stehenden Jugendverband „Allpolnische Jugend“ („Młodzież Wszechpolska“) sowie zur klerikal-nationalistischen Zeitung „Nasz Dziennik“.

Dass kurz vor dem Toleranzmarsch auch die polnische Rechte mobilisiert oder zumindest ihrem Unmut freien Lauf lässt, ist nicht verwunderlich und kann mensch an der penetranten Verbreitung von Stickern mit homophobem Inhalt erkennen.

homophobernazisticker
(Verbot der Schwuchtelei)

Sowohl die Plakate und Sticker, als auch die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren – während es im letzten Jahr lediglich ein paar Schmährufe und Eier regnete, waren es im Jahr 2006 noch Steine, sodass einige Teilnehmer_innen sogar ins Krankenhaus gebracht werden mussten – zeigen, dass auch in diesem Jahr wieder mit Protestaktionen und Übergriffen auf die Teilnehmer_innen der Demo gerechnet werden muss.
Trotzdem bin ich zuversichtlich, gespannt und hoffe, dass dieser Marsch ein weiteres Zeichen gegen Homophobie setzt und Diskussionen über die Glechstellung von nicht-normierten Lebensformen und Partner_innenschaften vorrantreibt.


1 Antwort auf “„Bringen Sie keine sexuellen Perversionen nach Krakau!“”


  1. 1 Die Mobilisierung der christlichen Rechten « f*cking queers Pingback am 16. Mai 2009 um 8:07 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.