Laika – the first dog in the sky

laika banner

Heute sei hier mal auf das Zeitungsprojekt Laika – the first dog in the sky verwiesen:

Laika – the first dog in the sky hat sich den Themenschwerpunkt Osteuropa oder genauer Ost/Südosteuropa gesetzt. D.h. vor allem die Länder des ehemaligen Ostblocks, welche trotz relativer geographischer Nähe zu Deutschland vielen immer noch fremd sind. Es soll uns nicht darum gehen, in der normalen deutschen Bevölkerung vorhandene Vorurteile über die Zustände in den Ländern des ehemaligen Ostblocks aufzuklären. Wir wollen hier niemandem mehr erzählen, dass in Osteuropa nicht alles mit Waisenkindern, Mafia und Prostitution überschwemmt ist, daß nicht alle PolInnen klauen oder nicht alle AlbanerInnen mit Drogen dealen, aber auf jeden Fall ist für die meisten Linken hierzulande OE immer noch etwas Fremdes, sozusagen der weiße Fleck auf der Landkarte …und dies muss ja nicht so bleiben. Immerhin, deutsche Linke fahren teilweise nach OE in den Urlaub. Doch was gibt es dort außer angenehmen Preisen und oft auch noch der Erinnerung an die Zeit vor ´89 in der Ex-DDR? Meist beschränkt sich der Aufenthalt auf ein paar Tage in Prag, Paddeln in den Masuren oder Sonnen an der Schwarzmeerküste. Manchmal kommt es dabei allerdings sogar soweit, dass Kontakte zu den „Eingeborenen“ entstehen. Schon so mancheR gab dann zu hause seiner staunenden Bezugsgruppe Geschichten von uralten bulgarischen AnarchistInnen, tschechischen Antifas und toughen polnischen HausbesetzerInnen zum Besten. Meist bleibt man sich allerdings fremd, vieles, nicht nur die Sprachbarriere trennt uns von den Leuten “da drüben“. Oft weiß man bei uns über Vorgänge in Südamerika besser Bescheid, als über Vorgänge vor der eigenen Haustür. Gemeinsame Projekte wie die Proteste gegen IWF und Weltbank 2000 in Prag oder vereinzeltes gemeinsames NO BORDER CAMPen sind leider die Ausnahme geblieben. Es wird selten grenzüberschreitend mobilisiert. Dass dabei nicht immer alles nach den altbekannten Schemata abläuft, scheint allerdings nur die Sonderrolle der deutschen Linken zu bestätigen. Oft genug kommt es innerhalb kürzester Zeit zu befremdlichen Reaktionen, wie desorganisiert dort im Osten alles ist. Dies liegt zum Einen wirklich an unserer komischen “deutschen Gründlichkeit“, die uns nun mal auch in Bezug auf linke Politik effektiver agieren lässt, zum anderen wird aber einfach sehr oft der Fakt vernachlässigt, dass in OE viele Leute auch viel mehr mit dem Bestreiten ihres Lebensunterhaltes beschäftigt sind, als wir im immer noch besser abgesicherteren Westen. Wer kein Arbeitslosengeld kriegt, hat halt nicht ganz so viel Zeit zum Transpi-Malen oder Adorno lesen. Was die Linke auf jeden Fall theoretisch interessieren sollte, ist, wie man eigentlich mit den Überresten des real existierenden Sozialismus Politik machen kann. Welche Perspektiven gibt es da, radikale Kritik an den Mann/Frau zu bringen (z.B. ist das Label Kommunismus immer noch entscheidend von anderen Leuten besetzt bzw. will auch nicht mehr besetzt werden)? Fragen über Fragen, zu deren Klärung wir vielleicht nicht unbedingt sofort beitragen können, die wir aber wenigstens erst mal aufwerfen wollen.

(aus: Wieso denn bloß? in: Laika – the first dog in the sky #01/ Juni 05, Seite 4. )