Marsz Tolerancji vs. Homophobie

Kraków ist bekannt als Pilgerstätte für gläubige Katholik/innen, die sich ihrem verstorbenen Papst, Johannes Paul II., nocheimal nahefühlen wollen. Möglichkeiten dafür gibt es genug, denn hier lebte, studierte, lehrte, predigte und wirkte Karol Wojtyła ab seinem 18. Lebensjahr von 1938 bis zu dem Beginn seines Amtes als Papst 1978. Elf Papst-Denkmäler (Tafeln nicht mit inbegriffen) zählt die Stadt heute und auch vier Jahre nach seinem Tod wird er von dem Großteil der polnischen Bevölkerung und darüber hinaus von Katholik/innen in aller Welt wie ein Heiliger verehrt.
Genau in dieser Stadt, die für eine Glaubensgemeinsschaft, die nicht-normierte Partner_innenschaften ablehnt und teilweise immernoch als Krankheit, Perversion und/oder Bedrohung ansieht, einen hohen symbolischen Charakter hat, fand gestern der 5. Marsz Tolerancji (Toleranzmarsch) statt.

Gegen 14 Uhr versammelten sich die ersten Menschen auf dem Plac Wolnica im Stadtteil Kazimierz. Begleitet von der Samba-Gruppe und ausgestattet mit vielen bunten Fähnchen, Luftballons und Plakaten, zogen rund 700 Menschen entlang der Ulica Krakowska und weiter durch die Ulica Stradomska in Richtung Altstadt. Die Stimmung war sehr heiter und ausgelassen, wenn auch schon auf diesem Teil der Strecke vereinzelt ein paar Eier und Tomaten geworfen wurden.

Die Stimmung wurde getrübt, als der Umzug in die Ulica Grodzka einbog. Begleitet durch ein Spalier von ungefähr 400 Polizist_innen ausgerüstet mit Tränengas, Gummigeschossen und dem üblichen Waffenkram, zog der Marsch durch die Straße, beklatscht, neugierig beeugt und gefilmt von Schaulustigen, aber größtenteils beschimpft und mit Eiern, Tomaten, Blumen, Plastikflaschen, Socken und Stühlen beworfen von sogenannten Kritiker/innen, die zu einem großen Teil aus polnischen Neonazis und Faschist/innen bestand. So wurden unter anderem rechte Symbole und Codes, wie „Combat 18″, „14 Words“ und Keltenkreuze gesehen. Am Markt erwartete die bunte Menge mindestens 200 Gegner/innen, die zum Teil Polenfahnen schwenkten. Einige trugen Schilder, auf dem der Verbot der „Schwuchtelei“ gefordert wurde und sogar Fahnen der „Nationalen Wiedergeburt Polens“ (Narodowe Odrodzenie Polski), einem rechten Zusammenschluss, der sich auf bundesweiter Ebene mit streng christlicher Ausrichtung leidenschaftlich dem Nationalismus widmet, wurden gesehen. Da der Marsch an seinem Endpunkt angelangt und die Stimmung recht aggressiv war, wurde der Marsch aufgelöst. In Kleingruppen entfernten sich die Menschen vom Markt. Es gab mindestens einen Verletzten.

Ausdrücklich erwähnt werden muss, dass sich zwischen den Gegner/innen auch viele Bürger/innen befanden, sowohl junge als auch alte. Homophobie ist in einem Land, das katholisch geprägt ist, keine Eigenschaft der Rechten.

Insgesamt ist festzustellen, dass sowohl die Teilnahme an den Gegenprotesten, als auch an dem Marsch im Vergleich zu den Vorjahren gesunken ist. Es ist auch festzustellen, dass der Marsz Tolerancji mit den Jahren immer friedlicher gefeiert werden konnte. Noch im Jahr 2004 kam es in der Nähe des Schlosses „Wawel“ und am Markt zu Ausschreitungen von Seiten der Gegner/innen gegenüber Polizist/innen und Demoteilnehmer_innen, wobei Steine geworfen, Barrikaden gebaut und die Demoroute durch Sitzblockaden dichtgemacht wurde (Siehe dazu hier und hier). Auch im Jahr 2006 gab es Verletzte, die zum Teil sogar ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Erst in den darauffolgenden Jahren verbesserte sich die Sicherheitslage für die Teilnehmer_innen.

Im Vergleich dazu lohnt es sich diesen Bericht anzuschauen, wie es den Teilnehmer_innen einer Homosexuellen-Demo in Moskau ergangen ist.

Und zum Schluss noch ein paar Eindrücke von dem Marsch:

mojacorkajestlesbijka
(„Meine Tochter ist eine Lesbe“)

kochamgejowego
(„Ich liebe einen Schwulen“)

ateisci
(„Atheisten“)

ateisci2

zydzidlatolerancji
(„Juden für Toleranz“)

senyszyn
Auf diesem Bild ist die polnische Politikerin Joanna Senyszyn zu sehen, die als starke Kritikerin des Katholizismus zählt.

tränengas


2 Antworten auf “Marsz Tolerancji vs. Homophobie”


  1. 1 gilus 19. Mai 2009 um 13:43 Uhr

    I was there also ;) http://www.flickr.com/photos/gilus/sets/72157618472510916/
    Here are some of my pictures.

  2. 2 głupia małpa 19. Mai 2009 um 14:02 Uhr

    impressing and shocking pics, thanks!

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