„Rozbrat stays – Let’s reclaim the city“

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Am Mittwoch, dem 6. Mai, fand anlässlich der drohenden Räumung der besetzten Häuser in Poznań und Warszawa eine Soliaktion am Markt von Kraków statt. Dazu fanden sich ein paar wenige Leute ein, um auf das Problem aufmerksam zu machen. Es gab Musik von der örtlichen Samba-Gruppe, die viele Menschen anzog, eine spontane themenbezogene Rede und Flyer, deren Inhalt ich übersetzet habe:

Häuser freier Menschen

Skłoting (aus dem Englischen squatting) ist die Bezeichnung dafür, wenn Menschen, die wohnungslos sind oder Projekte verwirklichen wollen, für die vier Wände gebraucht werden, leer stehende Häuser besetzen. Das ist eine logische Methode, jedoch nicht im Sinne des Kapitalismus. Zum einen gibt es Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben oder die es sich zukünftig nicht leisten können, hohe Mieten zu bezahlen, auf der anderen Seite gibt es leerstehende Häuser. Die einfachste Lösung auf beide Probleme ist, die leerstehenden Häuser zu besetzen. Auf diese Art und Weise haben Menschen mehr Platz zum Wohnen und die Bausubstanz kann anstatt, dass sie zerfällt und vergeudet wird, Menschen dienen.

Die Bewegung des Häuserbesetzens entwickelte sich zu Zeiten der Revolte im Jahr 1968. In Europa und in den USA begannen junge Menschen aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus – illegale und ohne sich mit den Eigentümern zu einigen – leer stehende Häuser zu besetzen und sie als freie Kommunen, unabhängige Kulturzentren, Wohnungen, etc zu nutzen. Vor allem in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien und Italien wurden Häuser besetzt. Dort befinden sich noch heute hunderte von besetzten Häusern, die sich manchmal sogar über ganze Straßenviertel oder recht große Teile von Stadtgebieten erstrecken.

Polnische Squats – anders als im Westen, wo der Wohnaspekt überwiegt – entstehen für gewöhnlich aus der Absicht einen Ort zu schaffen, an dem gesellschaftlich aktiv geworden werden kann. Das resultiert aus dem zentralisierten Modell der öffentlichen kulturellen Einrichtungen, aber auch aus dem Ramsch des kommerziellen Kulturangebots. Der Zweck dieser besetzten Häuser besteht anfänglich meist darin alternative Konzerte zu veranstalten. Oft bieten sie aber auch einen Platz für breitgefächertes kulturelles und politisches Wirken.

Das „Rozbrat“ in Poznań ist das älteste besetzte Haus in Polen!

Das Rozbrat existiert schon seit 1994. Ab 1995 begannen die Bewohner in den Räumlichkeiten des Rozbrat Konzerte mit unabhängigen Bands zu organisieren. Im Jahr 1997 wurde es der Sitz für die örtliche anarchistische Federation (FA). Es entstand die anarchistische Bibliothek von Poznań, das Büro der FA sowie des anarchsitischen Clubs. Das Rozbrat ist heute der Sitz und Treffpunkt für die lokale anarchistische Federation, für das Antikriegs-Bündnis von Poznań, für die Initiative „Food not Bombs“, und den Verein für soziale Initiativen „Ulica. Aktivisten, die sich im Umfeld des Rozbrat zusammenfinden und Organisationen, die mit ihm in Verbindung stehen, gründeten solche Gruppen wie: Tarifvertrag „Poznań eine Stadt für Menschen“, die gesamtpolnische Gewerkschaft „Inicjatywa Pracownicza“, das Komitee freier Kaukasus, sowie das anarchistische schwarze Kreuz. Verbunden mit dem Rozbrat ist auch der unabhängige Verlag Verlagsgesellschaft „Trojka.

Im Rozbrat wurden schon hunderte Konzerte, Kunstaustellungen, Vorlesungen, poetische Abende, Treffen, etc organisiert, weswegen das Rozbrat, weit über Poznań hinaus, zu einem wichtigen Platz für kritisches Denken geworden ist. Jedes Jahr wird anlässlich des Rozbratgeburtstages ein mehrtägiges Festival organisiert, bei dem mehrere Konzerte, Vorlesungen, Ausstellungen, Theatervorführungen, etc stattfinden. Auch bietet das Rozbrat Platz für Graffitikünstler – bereits zum dritten Mal wurde dort ein gesamtpolnisches Graffitifestival durchgeführt. Im Rahmen der freien Universität finden im Rozbrat Vorlesungen und Treffen zu sozialen, politischen, geschichtlichen, kulturellen, etc Themen statt. Zu entsprechenden Themengebieten treten dann eingeladene Schriftsteller, Aktivisten und Experten auf. Im universitären Rahmen gastierten unter anderen: Andrzej Gwiazda, daniel Grinberg, Antoni A. Kamiński und viele andere.

Das besetzte Haus in Warszawa „Elba“

Das besetze Haus „Elba“, das unabhängige Kulturzentrum, ist seit fünf Jahren ein sehr belebter Ort: Dort finden Artisten-Workshops, Sportveranstaltungen, Ausstellungen, soziale und ökologische Aktionen statt. „Elba“ ist ein unkommerzielles Haus. Durch den über Jahre aufgebauten Status einer Alternative zur kommerziellen Unterhaltung ist es auch auch ein Ort, an dem Jugendliche ihre Zeit verbringen und aktiv und konstruktiv tätig werden. Es bietet kostenlosen Platz für diverse Sozial-, Sport- und Kulturinitiativen, wie zum Beispiel für die Sambagruppe „samba bębniarski“, die Jongliergruppe, Food Not Bombs, den Skatepark und vieles mehr. Das unabhängige Kulturzentrum ist ein gutes Beispiel dafür, wie mit wenig finanziellen Mitteln und großem, energischem Engagement ein soziales und kulturelles Projekt entstehen kann. Das Skłot „Elba“ ist eines der wenigen Plätze in Warszawa, das für unkommerzielle Initiativen geöffnet ist. Seit Jahren wird hier Toleranz, Demokratie und unabhängige Kultur gefördert.

Schon bald könnten beide Skłots ihre Räumlichkeiten verlieren! Die Grundstückseigentümer, auf deren Grund die Skłots stehen, wollen die Häuser abreißen oder verkaufen und und somit den aktiven Menschen die Orte entreißen! Das werden wir verhindern! Rozbrat und Elba bleiben!

Unter dem Motto „Rozbrat stays – Let’s reclaim the city“ findet morgen um 15 Uhr, in Poznań eine große Demo für den Erhalt des besetzten Hauses „Rozbrat“ statt. Gleichzeitig soll „gegen die totale Umstruktierung des öffentlichen Raumes im Stadtzentrum in ein omnipräsentes Einkaufszentrum, gegen die Unterordnung des sozialen Begegnungsraumes unter ökonomische Verwertungsmechanismen und für den Erhalt von Freiräumen“ (Indymedia) protestiert werden. Mehr Infos gibt es hier. Wer spontan ist, schafft es noch.

Interessante Links:
Rozbrat
Elba
Anarchistische Federation Kraków


1 Antwort auf “„Rozbrat stays – Let’s reclaim the city“”


  1. 1 głupia małpa 08. Mai 2009 um 14:55 Uhr

    Es ist nicht auszuschließen, dass ich ein paar Fehler bei der Übersetzung gemacht habe.

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